Zeit für Neues

Bildungsakademie des Landessportbundes  besucht  Repaircafé Mainspitze

Zum zweiten Mal besuchte der hessische Landesportbund den LebensAlter e.V. in Ginsheim-Gustavsburg. Unter dem Titel

„Zeit für Neues – kompetent engagiert im besten Alter“

läuft derzeit in der Bildungsakademie des Sportbundes ein interessantes Projekt: Über zwei Jahre werden Menschen im Übergang oder auch schon am Beginn ihres Rentenalters von erfahrenen Erwachsenenbildnern begleitet, um sich zu orientieren und die für sie geeigneten Möglichkeiten ehrenamtlicher Betätigung im Ruhestand auszuloten. Interessant ist dieses Projekt auch, weil es dabei keineswegs nur um das Engagement im Bereich des Sports geht. Vielmehr werden sehr unterschiedliche Felder in Augenschein genommen.
Gemeinsam besuchen die Teilnehmenden gemeinnützige Projekte, um an Ort und Stelle Informationen zu sammeln und herauszufinden, ob hier das ehrenamtliche Herz einzelner oder mehrerer Beteiligter schlagen könnte. Hintergrund ist der demografische Wandel in Deutschland, zu dessen Merkmalen auch das Älterwerden der Bevölkerung gehört. Die Menschen werden im Durchschnitt älter als noch die Generation der Eltern und Großeltern. Und für viele wird der Ruhestand fast noch einmal so lange andauern wie die Zeit ihrer früheren Berufstätigkeit. Längst auch bedienen die Menschen ab 65 keineswegs mehr das Klischee der in die Jahre gekommenen Senioren, die sich nur noch ausruhen wollen und mit der Einladung zum Kaffeekränzchen zufrieden sind. Vielmehr zeigen sie sich auch im Alter fit und agil. Sie wollen noch etwas erleben, suchen nach Sinnerfüllung auch in den Jahren, die in der Sozialpsychologie mittlerweile „das vierte Lebensalter“ genannt werden.

Was aber passiert, wenn sie ihr Unternehmen verlassen?

Was wird aus ihrem langjährigen Erfahrungswissen, was aus ihren fachlichen Kompetenzen und Qualifikationen?

Um solche und ähnliche Fragen zu beantworten, ist eine sorgfältige Vorbereitung auf die Zeit nach dem Berufsleben immer wichtiger. Dabei kommt das Thema Ehrenamt ins Spiel, also die Frage, an welcher Stelle Rentnerinnen und Rentner sich in das gesellschaftliche Leben einbringen und dabei an ihre reichhaltigen Berufserfahrungen anknüpfen können. War es beim ersten Besuch der Gruppe rund um das Gemeinschaftliche Wohnen gegangen, so standen diesmal das vor einem halben Jahr gegründete Repaircafé Mainspitze und der schon seit vier Jahren bestehende Garten der Vielfalt im Zentrum des Interesses. Bemerkenswert für beide Projekte ist es, dass sie zwar auf Initiative des LebensAlter e.V. gestartet wurden, dann aber etliche neue Engagierte dazu gewonnen werden konnten. So bietet das Repaircafé pensionierten Handwerkerinnen und Handwerkern reiche Gelegenheit, ihre Berufserfahrungen auch im Ruhestand in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und sich damit zugleich sinnvoll für Nachhaltigkeit und Klimaschutz einzusetzen. Ähnliches gilt für den Garten der Vielfalt, in dem Ehrenamtliche ihre Kenntnisse im Bereich des ökologisch verantwortlichen Gemüseanbaus nutzen und weitergeben können. Genauso wichtig ist es den Initiatoren, dass dabei – sozusagen nebenher – auch nachbarschaftliche Kontakte oder die Integration zu uns geflüchteter Menschen gefördert werden. Unter dem Dach des Lebensalter e.V. spielt im Repaircafé auch der Generationen übergreifende Gedanke eine Rolle: es gibt erste Überlegungen, mit bestimmten workshop-Angeboten auf Kinder und Jugendliche zuzugehen. Auch hier wären ältere Menschen gefragt, ihr Berufswissen an junge Leute weiterzugeben. Zwischen Besuchern und  Gastgebern entstand in angenehmer Atmosphäre ein reges Gespräch. Im Austausch über die verschiedenen Aspekte im Übergang zum Ruhestand ergaben sich viele ähnliche Gedanken.  Als besonders wertvoll wurde von  allen Beteiligten die Erfahrung empfunden, mit den vielen Fragen zum neuen Lebensabschnitt nicht allein zu sein, sondern in einer Gruppe gleich Betroffener Solidarität und Unterstützung zu erleben.

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